FIFA Off The Bench

Blog #6: Fokus auf's Wesentliche

Da wir uns nun relativ am Ende des Entwicklungszyklus für FIFA 10 befinden, sind wir häufig damit beschäftigt, Screenshots des Spiels für die Marketing-Abteilung zu machen. Manche von euch dürften in den vorherigen Jahren bemerkt haben, dass viele der Screenshots Tiefenschärfe enthalten.

Tiefenschärfe ist ein Begriff aus der Fotografie und bezieht sich technisch auf die optischen Linsen von Video- und Fotokameras: Objekte, die nicht im fokussierten Bereich liegen, erscheinen verwischt. Je mehr Licht ein Fotograf oder Filmer durch das Öffnen des Objektivs auf den lichtempfindlichen Film (oder Sensor) lässt, desto kleiner wird der Tiefenschärfe-Bereich (und desto verwischter erscheinen Objekte außerhalb dieses Bereiches). Üblicherweise geschieht dies beim Einsatz von Objektiven mit größerer Brennweite (Zoomobjektive) und um kürzere Verschlusszeiten zu ermöglichen. Diese wiederum erlauben es, näher an das Geschehen zu gehen und schnelle Bewegungen einzufangen.

Ohne diese kurzen Verschlusszeiten würden wir Zeuge einer weiteren Besonderheit der Fotografie werden: der Bewegungsunschärfe. Sportfotografen und Kameramänner benötigen sowohl lange als auch reaktionsschnelle Objektive, um Nahaufnahmen der Action auf dem Platz machen zu können. Obwohl man Tiefenschärfe als künstliches Phänomen der Fotografie betrachten kann, so haben wir uns doch daran gewöhnt, sie in Bildern zu sehen. Man kann Tiefenschärfe auch einsetzen, um die Aufmerksamkeit des Betrachters auf bestimmte Objekte der Aufnahme zu lenken, indem man die weniger wichtigen Dinge verwischt.

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Die Tiefenschärfe ist also Teil unserer Sehgewohnheiten geworden, umso wichtiger ist es für uns, sie bei den gerenderten Bildern und im Spiel aufzugreifen, um diese realistischer zu machen. Bis zu einem gewissen Grad waren die Vorgängerversionen von FIFA auch dazu imstande, Tiefenschärfe zu generieren. Aufgrund von Artefakten, Leistung und der Tatsache, dass die Logik dazu fehlte, war Tiefenschärfe jedoch auf Standbilder beschränkt. Bei FIFA 10 hatten wir nun die Möglichkeit, die Tiefenschärfe mehr in den Fokus zu rücken. In früheren FIFA-Versionen wurde Tiefenschärfe dadurch hergestellt, dass ein Grafiker eine Serie von tiefenbasierten Ebenen erzeugt hat. Beispielsweise: die Entfernung, bei der Objekte scharf dargestellt werden, die Entfernung, bei der Objekte verwischt erscheinen und der maximale Verwischfaktor. Das sieht natürlich nicht realistisch aus, wenn es nicht von jemandem mit Fotografie-Erfahrung gemacht wird. Und selbst dann: Die lineare Natur der interpolierenden Verwischung ist physikalisch nicht korrekt. Für FIFA 10 hat das Rendering-Team eine neue, physikalisch korrektere Berechnung eingeführt, welche die echten Objektive besser simuliert. Dank der verbesserten Logik für angepeilte Spieler und der besseren Kamerasteuerung haben wir einen Tiefenschärfe-Effekt erschaffen, der nicht nur auf Marketing-Screenshots gut aussieht, sondern auch im Spiel.

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Wenn man versucht, Elemente der Fotografie und der Fernsehübertragung in ein Videospiel zu übernehmen, muss man sich einige wichtige Gedanken machen. Man möchte zum Beispiel eher nicht, dass eine Kamera im Spiel potenzielle Passempfänger “verwischt”. Wir haben also überlegt, wo und wie viel Tiefenschärfe im Spiel auftauchen soll. Ihr werdet solche Effekte in den nicht-interaktiven Bereichen sehen, in den Wiederholungen und Höhepunkten. Im Spiel selbst haben wir darauf verzichtet. Mit der Orbit-Kamera für die Sofort-Wiederholungen kann aber jeder Gamer mit dem Tiefenschärfe -Effekt experimentieren. Dazu wurde eine neue zusätzliche Steuerung geschaffen. Damit kann man die Kamera nicht mehr nur auf den Spieler zu oder von ihm weg bewegen (linker Stick oben/unten), sondern auch herein-/herauszoomen (linker Stick links/rechts). Das heißt: Ihr könnt einen Spieler mit einem Weitwinkel und gleichzeitiger Nahaufnahme einfangen, wobei die Tiefenschärfe relativ hoch (wenig Verwischung) ist, oder ihr könnt aus größerer Entfernung auf ihn heranzoomen und so den maximalen sogenannten Bokeh-Effekt erzielen.

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Die Tiefenschärfe soll, zusammen mit weiterem Rendering, Design und Menügrafiken, die großartige Spielerfahrung und die Spielmodi unterstützen und verbessern, indem sie den Realitätsgrad noch ein wenig nach oben schraubt. Es ist zu hoffen, dass der Tiefenschärfe-Effekt nicht das Erste ist, was den Gamern auffällt, wenn sie FIFA 10 spielen. Er ist nur ein weiteres Element, das es erlaubt, noch tiefer einzutauchen in das authentischste Fußballspiel überhaupt.

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Über den Blogger

Mike Day (de) ist Artdirektor der FIFA Reihe und hat zunächst an der FIFA 07 Xbox 360 Version mitgearbeitet. Danach war er als Artdirektor für Champions League 2007, Euro 2008, Fifa Ultimate Team und Football Academy zuständig. Zuletzt hat er sein Können bei der Produktion von FIFA 10 für PS3 und Xbox 360 unter Beweis stellen können.
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